
Das Maiglöckchen ist kein Arzneipflanze, deren Anwendung dem Laien überlassen werden sollte. Die Verordnung gehört in die Hände eines Arztes. Das die weithin bekannte Pflanze aber Vetreterin eines in der Natur häufig vorkommenden und in der Heilkunde ebenso häufig angewendeten chemischen Prinzips ist, soll sie näher behandelt werden.
Die Pflanze selbst bezaubert durch ihren Duft sowie durch ihre saubere grün-weiße Frische und ihre zierlich Bildung. Aber es ist Vorsicht geboten, das Maiglöckchen an sich ist außerordentlich giftig. In den überlieferten Werke der Antike suchen wir die Pflanze allerdings vergeblich. Sie taucht erst in den Kräuterbüchern des Mittelalters bw. der Renaissance auf. Einige Jahrhunderte heißt sie dort Lilium convallium, die "Lilie der Täler" oder in der Umgangssprache Meyenblümlin und Meyblomen. Bald als Herzmittel gerühmt, gerät das Maiglöckchen wieder in Vergessenheit und wird erst Ende des 19. Jahrhunderts aufs neue entdeckt. In der Folgezeit wurden seine wirksamen Stoffe bestimmt und ihre Anwendungen in der Medizin genauer untersucht. Das Maiglöckchen nimmt heute in der Behandlung von Herzkrankheiten eine bevorzugte Stellung ein.
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